back to top

Und tschüss, Hormone! Natürliche Verhütung mit NFP

Was ist NFP überhaupt, wie sicher ist das Verhüten mit NFP und wie wendest Du es am besten an? Unsere ausgebildete NFP-Beraterin Anne stellt Dir die Methode vor und erklärt Dir die wesentlichen Zusammenhänge.

Wenn Du Dich für Natürliche Verhütung interessierst, bist Du sicherlich schon über eine ganze Reihe unterschiedlicher Begriffe gestolpert: Eisprungrechner, Zyklusapps, Kalendermethode, Temperaturmessung… dazwischen ist immer wieder von NFP die Rede. Doch was bedeutet das eigentlich genau?

Streng genommen ist mit NFP erstmal keine konkrete Methode gemeint. Die Abkürzung steht für „Natürliche Familienplanung“ und ist der Oberbegriff für alle Methoden, die ohne Hormone, ohne mechanische oder chemische Barrieren und ohne Eingriffe in den Körper der Frau auskommen. Deswegen zählen all die oben genannten Methoden zur NFP, obwohl sie nach ganz unterschiedlichen Regeln funktionieren und sich sehr in ihrer Sicherheit unterscheiden. Gemeinsam haben sie, dass der natürliche Zyklus dabei nicht beeinflusst wird, deshalb eignen sie sich gut für Frauen, die keine Hormone einnehmen wollen, sie sind sehr gut verträglich und frei von Nebenwirkungen.

Neben sehr unsicheren Varianten wie zum Beispiel der Kalendermethode gibt es heute auch moderne und hochsichere natürliche Methoden. Die sicherste unter ihnen ist die symptothermale Methode, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht und mit einem Pearl Index von 0,4 nachweislich genauso sicher funktioniert wie die Pille – nur eben ohne Hormone und ohne Nebenwirkungen. Der wesentliche Unterschied zu anderen (weniger sicheren) natürlichen Methoden besteht darin, dass bei der symptothermalen Methode der Eisprung nicht einfach auf der Basis von vorhergehenden Zyklen berechnet wird, sondern in jedem Zyklus aufs Neue anhand von Körpersymptomen zuverlässig bestimmt wird. Das ist ein großer Unterschied! Selbst bei einem regelmäßigen Zyklus kann sich der Eisprung immer mal um ein paar Tage verschieben, und je unregelmäßiger der Zyklus ist, desto ungenauer wird es, die fruchtbaren Tage lediglich auszurechnen.

Cuca Shop

Hintergrund: Sicherheit der symptothermalen Methode

Die Sicherheit einer bestimmten Verhütungsmethode wird in der Regel mit dem Pearl Index angegeben. Dieser Wert sagt aus, wie viele von 100 Frauen in einem Jahr mit einer bestimmten Methode schwanger werden. Um die so ermittelten Werte besser vergleichen zu können, wird der Pearl Index oftmals noch in Methoden- und Gebrauchssicherheit unterschieden.

Die Methodensicherheit beschreibt die höchstmögliche Sicherheit, die eine bestimmte Methode ohne Anwenderfehler erreichen kann. Je niedriger dieser Wert ist, desto weniger Frauen werden schwanger und als desto sicherer gilt die jeweilige Methode. Alle Methoden mit einem Pearl Index unter 1 werden als hochsichere Methoden bezeichnet.
Unabhängige Studien an den Universitäten Düsseldorf und Heidelberg belegen die hohe Sicherheit der symptothermalen Methode. Mit einem Pearl Index von 0,4 gehört sie zu diesen hochsicheren Methoden und liegt damit im Bereich der hormonellen Verhütung wie Pille, Ring, Hormonspirale & Co und den Kupfer IUP (Spirale, Gynefix und Kupferperlenball).

Im Alltag ist allerdings oft ein zweiter Wert relevanter, nämlich die sogenannte Gebrauchs- oder Anwendersicherheit. Das ist der Wert, den die Methode unter Berücksichtigung von Anwenderfehlern erreicht, er entspricht also der Sicherheit der jeweiligen Methode unter Praxisbedingungen. Die symptothermale Methode schneidet hierbei mit einem Pearl Index von 1,8 ebenfalls sehr gut ab.

Wie funktioniert NFP?

Hinter NFP steckt im Grunde ganz nüchterne Biologie: Wir sind nur an rund sechs Tagen im Zyklus überhaupt fruchtbar, nämlich am Tag des Eisprungs selbst und ungefähr fünf Tage vorher, weil Spermien im weiblichen Körper eine gewisse Zeit überleben und auf die Eizelle warten können. In dieser fruchtbaren Zeit verändern sich einige Körpersymptome sehr deutlich, vor allem Körpertemperatur, Zervixschleim und Gebärmutterhals. Durch die Beobachtung genau dieser Körperzeichen und die Anwendung eines festen Regelwerks kannst Du selbst feststellen, ob Du gerade fruchtbar bist oder nicht – und zwar ganz unabhängig davon, wie lang oder unregelmäßig Dein Zyklus vielleicht ist. An den so bestimmten fruchtbaren Tagen, an denen Du also schwanger werden könntest, kannst Du auf Sex verzichten oder zum Beispiel mit Kondom oder Diaphragma verhüten. An den übrigen unfruchtbaren Tagen ist keine Verhütung nötig.

NFP ist also letztlich eine Methode, die die Signale Deines Körpers nutzt: Du lernst dabei, Deine Körperzeichen wahrzunehmen und zu interpretieren, um dadurch Rückschlüsse auf die hormonellen Vorgänge in Deinem Körper zu ziehen. Dahinter stehen wissenschaftlich erforschte physiologische Zusammenhänge: Während in den Eierstöcken Eibläschen heranreifen, wird Östrogen produziert – je näher der Eisprung bevorsteht, desto mehr Östrogen ist im Körper und desto deutlicher verändern sich Zervixschleim und Muttermund. Diese beiden Zeichen kündigen den Eisprung an und können von jeder Frau beobachtet werden. Nach dem Eisprung sinkt der Östrogenpegel ab und das nun gebildete Progesteron führt dazu, dass die Körpertemperatur ansteigt. Durch Messung der Basaltemperatur, also der Temperatur direkt nach dem Aufwachen am Morgen, kannst Du anschließend feststellen, dass der zuvor angekündigte Eisprung dann tatsächlich stattgefunden hat.

Cuca Shop

NFP Anwendung im Alltag

Ganz konkret bedeutet das also: Jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen misst Du Deine Basaltemperatur. Dabei ist es wichtig, ein Thermometer zu verwenden, das auf zwei Stellen nach dem Komma genau misst und das insgesamt drei Minuten lang messen kann.
Als zweites Körperzeichen beobachtest Du mehrmals täglich Deinen Zervixschleim oder tastest den Gebärmutterhals ab, um Veränderungen festzustellen, die Deinen Eisprung ankündigen. Alle Beobachtungen werden in ein Zyklusblatt oder alternativ eine App eingetragen und anschließend nach bestimmten, genau festgelegten Regeln ausgewertet.
Falls Dir die Anwendung zu Beginn umständlich oder aufwändig vorkommt, keine Sorge: Vielen Frauen geht es am Anfang ähnlich. Bei den allermeisten Anwenderinnen wird die Körperbeobachtung aber wirklich schnell zur Routine und braucht nach der Lernphase im Alltag nicht mehr Zeit als Zähneputzen.

Bevor Du mit NFP startest, ist es wichtig, dass Du dich gründlich mit dem Regelwerk und der Methode beschäftigst. „Ungefähr so nach Gefühl“ den Eisprung zu bestimmen, ist keine gute Idee und hat mit sicherer Verhütung nichts zu tun! Die Regeln sind das Herzstück der Methode, und nur, wenn Du sie wirklich beherrschst, ist NFP sicher. Wenn Du dich alleine unsicher fühlst und gerne Unterstützung hättest, kannst Du dazu einen Einführungskurs bei einer ausgebildeten NFP-Beraterin besuchen, in dem Du die Methode von Grund auf lernen und all Deine Fragen stellen kannst.

Hast Du Erfahrungen mit NFP gemacht, oder verhütest Du vielleicht schon immer ohne Hormone? Teile Deine Meinung und werde Teil unserer Cuca-Community!

 

Über Anne Schmuck:

Anne Schmuck NFP

Seit 2011 bin ich ausgebildete NFP-Beraterin und helfe Frauen und Paaren dabei, die Methode sicher und eigenständig anzuwenden. Dazu biete ich Einführungskurse in die NFP an, in denen Du die Methode und das Regelwerk von Grund auf lernen kannst und stehe bei allen Fragen rund um die sichere Anwendung zur Seite. Mehr über meine Kurse und Beratungen findest Du unter www.hormonfrei-verhüten.de und auf Instagram: @undtschuesshormone

Kommentare

  • Sehr informativer Artikel. Ich habe noch nie Hormone genommen und habe es auch nicht vor. Nur wurde ich schon von einem Ex-Partner dazu aufgefordert, doch endlich die Pille zu nehmen (denn ab und zu braucht man dann eben doch ein Kondom)
    Und die „Herren der Schöpfung“ wollen es sich halt gerne einfach machen. Ich bin gespannt, wann endlich die Pille für den Mann auf den Markt kommt und endlich gleiche Vorraussetzungen herrschen.

    15. September 2019

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail wird nicht veröffentlicht. Wir speichern Deine E-Mail lediglich zu administrativen Zwecken.