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Tabuthema Fehlgeburt: Und plötzlich hält Deine Welt an

Dass eine Schwangerschaft nicht unbedingt 40 Wochen lang sein muss und mit leichten bis schwerwiegenden Komplikationen verbunden sein kann, ist den meisten von uns mittlerweile bewusst. Doch wusstest Du, dass die Natur rund 50 % der befruchteten Eizellen gleich wieder abgehen lässt, die meisten davon unbemerkt in den ersten Schwangerschaftswochen?

Bleibt der Abort unbemerkt, tritt die Periode oftmals etwas später und häufig etwas stärker ein. Du als Betroffene weißt nichts von Deiner Fehlgeburt und reagierst vielleicht etwas genervt, weil es mit dem Schwangerwerden in diesem Monat nicht „geklappt“ hat. Krone richten und weiter „probieren“, sagt sich die Frau – dann eben im nächsten Zyklus!Schmerzlich wird es, wenn Du bereits einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen gehalten hast. Hochsensible Urintests machen es möglich, bereits 14 Tage nach der Befruchtung ein mehr oder minder zuverlässiges Ergebnis zu bekommen. Kommt es danach zu einer Fehlgeburt, ist dies für die betroffenen Frauen und Paare oft ein traumatisches Erlebnis.

Risiko

Ist eine Schwangerschaft vor der 22. bis 24. Schwangerschaftswoche zu Ende und das Kind nicht lebensfähig, so sprechen Mediziner von einer Fehlgeburt: dem plötzlichen Sterben des ungeborenen Kindes. Statistisch gesehen ereignen sich die meisten Fehlgeburten in den ersten 12 Schwangerschaftswochen. In der 6. bis 8. Schwangerschaftswoche liegt das Risiko für eine Fehlgeburt bei etwa 18 %, während es dann ab der 17. SSW deutlich auf 2 bis 3 Prozent absinkt. Bis zum Ende der 12. SSW sind bereits fast 80 % der Fehlgeburten erfolgt.

Anzeichen

Die ersten Anzeichen einer Fehlgeburt sind meist Blutungen und Bauchschmerzen. Aber nicht immer äußert sich ein Abort auf diese Weise. Und nicht immer bedeuten Blutungen das Ende der Schwangerschaft. Ob eine Fehlgeburt vorliegt oder nicht, stellt der Frauenarzt meist im Ultraschall fest. Wenn es Symptome gibt, aber ein Herzschlag zu sehen ist, könnte es sich um einen beginnenden Abort handeln. Dann muss die Schwangere ruhen, bis sich die Schwangerschaft hoffentlich wieder gefestigt hat. Bei unklaren Befunden kann eine Messung des hCG-Spiegels (Schwangerschaftshormon) über mehrere Tage Klarheit bringen. Steigt dieser weiter an, wie er sollte, ist alles in Ordnung. Wenn nicht, ist eine Fehlgeburt wahrscheinlich.

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Ursachen

Eine Fehlgeburt kann vielerlei Ursachen haben, darunter:

  • Chromosomenstörungen
  • Fehlbildungen
  • Entwicklungsstörungen
  • Blutgerinnungsstörung der Mutter
  • Anomalie der Gebärmutter, Gebärmutterhalsschwäche
  • Diabetes
  • Erkrankung der Schilddrüse oder der Nieren
  • Infektionen, die von Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden
  • Sturz/ Unfall

Wichtig anzumerken ist hier allerdings, dass die Gründe für einen unerfüllten Kinderwunsch bis heute nicht abschließend erforscht worden sind. Fest steht: Mindestens 50 Prozent der Fälle bleiben ungeklärt

Für Dich als Betroffene kann es verführerisch sein, Dir selbst die Schuld für die Fehlgeburt zuzuschieben. War es der Sport? Das Glas Wein auf der Party? Der Sex gestern Nacht? Hätte ich mich nicht stressen lassen sollen?

Chromosomale Anomalien gelten nach wie vor als der größte Faktor für eine Fehlgeburt. Die vielen Irrglauben zu den Ursachen halten sich bis heute hartnäckig! Meist ist es aber reiner Zufall und die Wahrscheinlichkeit, dass Du nach einer Fehlgeburt ein Regenbogenbaby in den Armen halten darfst, ist sehr hoch. Sport verursacht jedenfalls keine Fehlgeburten. Anders verhält es sich, wenn Du immer wieder eine Fehlgeburt erlebst: in diesem Fall spricht man von „habituellen Aborten“, deren Gründe immer noch unzureichend geklärt sind. In den letzten Jahren konnten allerdings bahnbrechende Fortschritte erzielt und erfolgreiche Studien durchgeführt werden. Falls Du betroffen bist, empfiehlt sich in jedem Fall ein eingehendes Beratungsgespräch mit Deiner Frauenärztin.

Verlauf

Häufig stößt der Körper der Mutter den Fötus ganz von selbst ab. In diesem Fall ist es ausreichend, wenn Dein Frauenarzt alles beobachtet und sicherstellt, dass keine Gewebereste in der Gebärmutter verbleiben. In anderen Fällen erfolgt eine Ausschabung des Uterus unter Narkose. Die meisten Krankenhäuser haben eigene Stationen und Zeiten, sodass Du nicht mit anderen Schwangeren auf einer Station bist. Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant.

Den allgemeinen Regelungen in Deutschland nach hast Du Anspruch auf ärztliche Betreuung und Behandlung. Ist eine Fehlgeburt oder ein Schwangerschaftsabbruch mit seelischen und körperlichen Belastungen verbunden, die eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben, musst Du Dir eine entsprechende ärztliche Bescheinigung einholen.

Was viele Frauen nicht wissen: auch bei einer Fehlgeburt steht dir eine Hebamme zu. Ihre Leistungen werden von der Kasse übernommen, wenn auch manchmal nicht gleich beim ersten Versuch. Möglicherweise ist es nicht leicht, jetzt so schnell eine zu finden, die Zeit hat und Dich in dieser schweren Zeit betreuen kann oder will. Aber einen Versuch ist es wert.

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Reden hilft

Obwohl statistisch gesehen nahezu jede 4. Schwangerschaft erfolglos endet und so viele Frauen betroffen sind, ist das Thema Fehlgeburt nach wie vor ein großes Tabu. Die Betroffenen erleben überwältigende Gefühle wie Scham, Wut, Frust, Schuld und Neid auf andere schwangere Frauen – da hilft es, sich unbedingt mit dem eigenen Partner auszutauschen und offene Gespräche zu führen. Die Trauerbewältigung braucht Zeit, aber auch Mitgefühl und liebende Zuhörer. Falls es Dir schwer fällt, Deine Gefühle verbal zum Ausdruck zu bringen, hilft es auch, Deine Gedanken zu Papier zu bringen.

Hast Du bereits eine Fehlgeburt erlebt? Oder einen solchen Verlust vielleicht in Deiner Familie oder Deinem Freundeskreis mitbekommen? Hinterlasse unten einen Kommentar und werde Teil unserer Cuca-Community, mit der wir allen weiblichen Tabu-Themen ein Ende setzen wollen.

 

Über Katie Caiger:

Katie Caiger Coach für das Leben nach Fehlgeburten und Verlusten

Geboren in Deutschland, verschlug mich die große Liebe an die wunderschöne Südküste Englands. Nach einem tränenreichen Leidensweg fand ich schließlich meine Kraft – und meine Berufung. Heute habe ich das große Glück, als ausgebildete Trauerbegleitung und psychologische Beraterin viele wundervolle Frauen rund um den Globus begleiten zu dürfen, die nach ihrer Fehlgeburt eine einfühlsame Ansprechpartnerin und neue Perspektiven wünschen. Meine Hauptaufgaben bestehen darin, ein offenes Ohr zu sein, Seelsorge zu bieten und Betroffene von der anfänglichen Schockphase in liebevoller gemeinsamer Arbeit in die „neue Normalität“ zu begleiten. Trauer braucht nicht nur Zeit, sondern auch unendlich viel Verständnis und Mitgefühl – und genau da komme ich ins Spiel. Wenn Du an meiner Arbeit interessiert bist und mehr über mich erfahren möchtest, findest Du mich unter www.katiecaigercoaching.com und auf Instagram unter @life_after_pregnancy_loss. Außerdem findest Du meinen englischsprachigen Podcast zum Tabuthema Fehlgeburt auf Apple Podcasts und Spotify (@msthewordpodcast).

Quellen:

https://www.babelli.de/fehlgeburt

https://www.focus.de/gesundheit/experten/neo/ursachen-fuer-eine-fehlgeburt-warum-es-manchmal-mit-dem-kinderwunsch-einfach-nicht-klappt_id_9797867.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26104611

https://link.springer.com/article/10.1007/s10304-019-0244-0

https://www.netdoktor.de/therapien/ausschabung/

https://familienportal.de/familienportal/familienleistungen/mutterschutz/welche-regelungen-gelten-bei-fehlgeburt–totgeburt-oder-schwangerschaftsabbruch-/125128

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